Solidaritätserklärung des Studierendenparlements mit dem Bildungsstreik am 22.06.18

Das Studierendenparlament unserer Hochschule beschloss auf Antrag des Allgemeinen Studierendenausschusses folgende Position und Solidaritätserklärung in seiner Sitzung am 23.05.18:

Bildung für alle: Sie schieben ab? – Wir streiken!

Ob Studierende, Auszubildende oder Schüler*innen. Ob in Deutschland geboren, seit vielen Jahren hier oder seit einigen Monaten. „Unvernünftig“ oder „desinteressiert“ wird „unsere“ Generation betitelt. Statt die Symptome zu betrachten, werfen wir einen Blick auf eine Ursache: unser Bildungssystem.
Chancengleichheit? – Fehlanzeige!

(Soziale) Segregation und Leistungsdruck beginnen schon im Grundschulalter. Kinder aus Familien mit niedrigem sozio-ökonomischen Status oder Migrationshintergrund bekommen seltener eine Gymnasialempfehlung. Nach dem Abitur wird weiter selektiert: nur 24 von 100 Personen aus Nicht-akademischen Familien erreichen den Zugang zu einer Hochschule – aus akademischen Familien sind es 71. Welche Bildung ein Mensch erfährt ist also maßgeblich von der sozialen Herkunft abhängig.

Nicht für die Schule – für das Leben lernen wir?!

Was soll das für ein Leben sein, in dem Numerus Clausus und ECTS relevanter sind, als Zwischenmenschlichkeit, politisches Interesse und der Umgang mit Herausforderungen des täglichen Lebens. Stattdessen geht es – insbesondere seit den Bolognaprozessen – in erster Linie darum, junge Menschen für den Arbeitsmarkt zurecht zu biegen. Die Wirtschaft nimmt durch Sitze in entscheidenden Gremien oder durch Finanzierung von Forschungsprojekten und Studiengängen enormen Einfluss auf die vermittelten Bildungsinhalte, was die Unabhängigkeit der Wissenschaft gefährdet.

Bildung ist unsere Zukunft!

Seitens der Politik wird immer wieder betont, wie wichtig gute Bildung für unsere Zukunft ist. Ein möglichst guter Abschluss – so heißt es – sichert gute Arbeitsplätze. Die Realität junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt ist aber durchzogen von Arbeitslosigkeit, unbezahlten Überstunden, Niedriglöhnen und befristeten Arbeitsverhältnissen. Fast 80 Prozent der 25- bis 29-jährigen Akademiker*innen müssen sich mit einem Arbeitsvertrag auf Zeit begnügen.

Bildung ist niemals umsonst – und leider auch nicht kostenlos

Es kommt hinzu, dass Bildung nicht kostenfrei und somit nicht vollumfänglich für alle zugänglich ist. Zwar wurden die Studiengebühren vor einigen Jahren abgeschafft, doch können wir uns nie ganz sicher sein, ob das auch so bleibt. In Baden-Württemberg wurden sie für Nicht-EU-Ausländer*innen wieder eingeführt, was eine rassistische institutionelle Diskriminierung darstellt. Es entstehen Kosten für Semestertickets, Bücher oder Exkursionen. Leistungen nach BAföG stehen nicht allen zu und können die Kosten genauso wenig abdecken, wie ein Nebenjob. Genauso fernab der Realität ist es, zu denken, dass Eltern dafür aufkommen können. Knapp 1/5 aller Studienabbrecher*innen tun dies aufgrund finanzieller Schwierigkeiten. Damit verschärft sich die Bildungsungleichheit weiter.

Hochschulen sorgen für Fluchtursachen

Als wäre das nicht schon genug, sind deutsche Hochschulen durch die Unterfinanzierung oft gezwungen Forschungsaufträge für die Rüstungs- und Waffenindustrie anzunehmen und beteiligen sich aktiv an der Entwicklung von Waffensystemen. Durch die Bundeswehr bzw. Waffenexporte sorgt das für Krieg und Zerstörung der Existenzgrundlage, sowie die (oft tödliche) Flucht Hunderttausender. Die hier angekommenen Geflüchteten erwartet eine Asylpolitik, die sie wieder in vermeintlich sichere Gebiete abschieben will und systematisch das Menschenrecht auf Bildung, Arbeit und ein menschenwürdiges Leben verwehrt.

Wir fordern für die TH Nürnberg deshalb: Die Einführung einer Zivilklausel, die jegliche Forschung für die Rüstungs- und Waffenindustrie verbietet.

Bildung darf kein Privileg sein!

Wir als Studierende sind lieber „unvernünftig“, wenn Vernunft bedeutet, tatenlos zuzusehen und zu schweigen, um das System am Laufen zu halten. Wir sind die Zukunft und gestalten sie selbst. Wir stehen für eine Zukunft, fernab von Diskriminierung und Unterstützung (aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion).

Wir erklären uns solidarisch mit der Jugendaktion Bildung statt Abschiebung und ihren Forderungen und rufen hiermit dazu auf: Geht am Tage des Bildungsstreikes nicht in die Schule, die Hochschule oder den Betrieb, sondern legt euer Privileg der Bildung für einen Tag nieder, streikt, geht auf die Straße und demonstriert.

22.06.2018 – Raus zum Bildungsstreik!

Weitere Informationen:

Jugendaktion Bildung statt Abschiebung

Offenes Aktionsplanungs- und Basteltreffen des AK Ohm gegen Rechts am kommenden Montag, 11. Juni, um 18 Uhr in Raum BL411/Freiraum.

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